Reinigungsrobotik hautnah: Was eine Reise nach China über die Zukunft unserer Branche verrät

Wer wissen möchte, wohin sich professionelle Gebäudereinigung entwickelt, muss heute nicht mehr in die Zukunft blicken – er muss nach China reisen. Unser Abteilungsleiter Technik hatte im März genau diese Gelegenheit: Als Teil einer deutschen Fachgruppe, organisiert vom Systemintegrator Fenka Robotics, besuchte er gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern anderer FM- und Reinigungsunternehmen vier führende Robotik-Hersteller in Shenzhen, Hangzhou und Shanghai.

Die Eindrücke, die er mitgebracht hat, sind kein Science-Fiction-Szenario. Sie sind Gegenwart – nur an einem anderen Ort.

Erste Station: Shenzhen und der Blick ins Innere moderner Reinigungsrobotik

Der Auftakt der Reise war programmatisch: Pudu Robotics in Shenzhen, eines der global führenden Unternehmen im Bereich Service- und Reinigungsrobotik, empfing die Delegation in seinem neuen Hauptsitz. Die deutschen Gäste gehörten zu den ersten Besuchergruppen, die das neue Gebäude betraten – ein Detail, das die Dynamik des chinesischen Marktes gut veranschaulicht: Hier wächst nicht nur die Technologie, sondern auch die Infrastruktur dahinter in hohem Tempo.

Vorgestellt wurde unter anderem die neue Reinigungsroboter-Serie Pudu BG1 – Maschinen, die Arbeitsbreiten von 55 bis 80 Zentimetern abdecken und Walzen- mit Tellersystemen kombinieren. Technisch beeindruckend: Die Systeme analysieren Verschmutzungsmuster eigenständig, erkennen Flecken und erhöhen dort automatisch die Reinigungsintensität. Kleine Gegenstände, die nicht als Schmutz zu behandeln sind, werden zuverlässig identifiziert. Die Maschinen lernen kontinuierlich aus realen Einsatzdaten – und dieses Wissen fließt zunehmend auch in europäische Anwendungen ein.

Was dabei deutlich wurde: Pudu denkt Robotik nicht mehr als isoliertes Gerät. Das System dahinter – Daten, Analysen, Prozesssteuerung – ist mindestens genauso relevant wie die Hardware selbst. Eine Perspektive, die für Dienstleister wie GEWA zunehmend wichtig wird: Wie lassen sich Reinigungsdaten künftig sinnvoll nutzen, um Qualität messbar zu machen und Abläufe effizienter zu steuern?

Drohne statt Gerüst: Fassadenreinigung neu gedacht

Ein besonders unerwarteter Programmpunkt war der Besuch beim Start-up Wisson – spezialisiert auf sogenannte Soft Robotics. Das Unternehmen hat ein Fassadenreinigungssystem entwickelt, das auf einer zertifizierten Drohne basiert. Das Besondere: eine robotische Gelenktechnik, die den Sprühwinkel vollautomatisch anpasst und so präzises Arbeiten auch an komplexen Fassadenprofilen ermöglicht.

Für unseren Abteilungsleiter Technik war das ein Moment zum Nachdenken – gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels und stetig steigender Sicherheitsanforderungen im Hochhausbereich. Systeme wie dieses könnten mittelfristig auch hierzulande relevant werden: nicht als Ersatz für qualifizierte Mitarbeitende, sondern als Ergänzung für Einsätze, die mit konventionellem Gerät aufwendig, kostspielig oder risikoreich sind.

Humanoide Roboter: Beeindruckend – aber noch nicht praxisreif

Von Shenzhen ging es per Hochgeschwindigkeitszug nach Hangzhou zu Unitree Robotics, einem der international bekanntesten Entwickler humanoider und vierbeiniger Roboterplattformen. Wer Unitrees Tanzeinlagen bei den chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten gesehen hat, konnte sich vorstellen, was die Gruppe dort antraf.

Die Einschätzung vor Ort war jedoch nüchtern: Für den praktischen Einsatz im Facility Management sind humanoide Systeme derzeit wirtschaftlich noch nicht darstellbar. Deutlich realistischer erscheint der Einsatz quadrupeder Plattformen – also vierbeiniger Roboter – für Kontroll- und Sicherheitsaufgaben. Ein Anwendungsfeld, das in den kommenden Jahren an Relevanz gewinnen dürfte.

Shanghai: Wo Roboter bereits zum Alltag gehören

Den Abschluss bildete Shanghai und ein Besuch bei Gausium Robotics. Das Unternehmen zeigte sich bemerkenswert selbstkritisch: Frühere Robotergenerationen hätten den Qualitätsansprüchen des Marktes nicht entsprochen – das räumten die Gastgeber offen ein. Die vergangenen zwei Jahre hätten jedoch erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung gebracht.

Besonderes Aufsehen erregte das neue Modell Mira: ein Reinigungsroboter, der speziell für den Lebensmitteleinzelhandel entwickelt wurde. Er nimmt zunächst grobe Verschmutzungen wie herabgefallene Blätter oder Lebensmittelreste auf und scheuert anschließend autonom. Selbst die Tankreinigung läuft vollautomatisch.

Wie weit diese Technologien in der Praxis angekommen sind, zeigte sich unmittelbar danach: In einer chinesischen Supermarktfiliale und einem modernen Einkaufszentrum in Shanghai sind die neuesten Robotermodelle bereits im regulären Betrieb – nicht als Demonstrationsobjekte, sondern als fester Teil des Reinigungskonzepts.

Was bleibt – und was das für GEWA bedeutet

Die Frage, ob Robotik Teil der Gebäudereinigung wird, stellt sich nach einer solchen Reise nicht mehr. Die relevantere Frage lautet: Wie schnell müssen sich Unternehmen darauf einstellen?

Unser Abteilungsleiter Technik ist mit einem klaren Bild zurückgekehrt: Die Technologie ist weiter als viele vermuten. Gleichzeitig sind es nicht die Maschinen allein, die den Unterschied machen werden – sondern die Unternehmen, die verstehen, wie man sie sinnvoll in bestehende Prozesse integriert, wie man die entstehenden Daten nutzt und wie man dabei die Qualitätsstandards aufrechterhält, die Kunden erwarten.

Bei GEWA beobachten wir diese Entwicklungen nicht von der Seitenlinie. Wir sind dabei.

Bild: Fenka Robotics